Anthroposophie - Kempten
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Rudolf Steiner:






Rudolf Steiner
Rudolf Steiner
25/27.02.1861 - 30.05.1925
Fotograf: Otto Rietmann
copyright: Goetheanum
Einer der umstrittendsten Forscher an der Wende zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert. Philosoph und Goethe-Forscher, welcher die Anthroposophie als eine komplexe Wissenschaftsrichtung, man könnte sogar sagen Lebensanschauung, gegründet hat.

Stets begleitet von seiner Sehnsucht, hinter den Dingen das Objektive und Grundsätzliche zu finden, erlebte Rudolf Steiner bereits als Kind einige, wie man heute sagen würde, übersinnliche Vorfälle. Sein Streben war darauf gerichtet, diese Erlebnisse und seine lebendige Wahrnehmung der Natur bodenständig und wissenschaftlich erklären zu können.

Nach seiner wissenschaftlichen Laufbahn im Bereich der Biologie, Chemie, Physik und Mathematik wurde ihm vor allem das Letztere, in Verbindung mit der Geometrie, die er eher synthethisch und projektiv verstand, aufgrund der angestrebten Objektivität sehr nah. 1891 promovierte Rudolf Steiner mit "Wahrheit und Wissenschaft" zum Dr.phil..

Die darauf folgende Arbeit am Goethe- und Schillerarchiv, die voller wichtiger Begegnungen in Weimar war, brachte eine sehr vertiefte Auseinandersetzung mit Goethes Erkenntnisarbeit. 1894 veröffentlicht Rudolf Steiner sein Grundlagenwerk, welches die Anthroposophie erst zu dem macht, was sie ist und ihr die entscheidende Komponente verleiht - "Die Philosophie der Freiheit - Seelische Beobachtungsresultate nach naturwissenschaftlicher Methode".

Nach einer Lehrertätigkeit zwischen 1898 und 1900 an einer Arbeiterbildungsschule in Berlin, übernahm Rudolf Steiner die Leitung der deutschen Sektion der Theosophischen Gesellschaft. Sein zunehmendes wissenschaftliches Interesse zu religiösen, esoterischen und mystischen Themen, die er öffentlich vertrat, brachte einen einseitigen Bruch zu der damaligen philosophisch-fachlichen und wissenschaftlichen Welt, wobei seine Schrift "Die Philosophie der Freiheit" nicht mehr beachtet wurde. Die darauf folgenden Schriften beschäftigten sich vor allem mit scheinbar unwissenschaftlichen Themen. In dem Buch "Das Christentum als mystische Tatsache" begründete Rudolf Steiner ein kirchenunabhängiges Verständnis von Christentum. Die Schrift "Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten" zeigte eine eigenständige und Guru-lose Möglichkeit der esoterischen und spirituellen Entwicklung des Menschen. Beides war in den dogmatischen religiösen Kreisen und in den esoterischen Geheimbünden aufgrund der völligen Eigenständigkeit und Unabhängigkeit des individuellen Menschen nicht gerne gesehen. Nach einer reichen Vortragstätigkeit innerhalb der Theosophischen Gesellschaft und einigen weiteren Schriften, distanzierte sich Rudolf Steiner und mit ihm die deutsche Sektion 1913 von den Theosophen. Der Grund war die zunehmende Anbetung Jiddu Krishnamurtis als die Wiedergeburt Christi durch die Theosophen und das damit verbundene Verständnis von Christentum. Damit waren Rudolf Steiner und die deutsche Sektion nicht einverstanden. Auf diesem Wege wurde die Anthroposophische Gesellschaft mit dem Bau des Goetheanums in Dornach gegründet.

Die aus dieser Gesellschaft kommende Arbeit, brachte sehr viele Erkenntnisse auf verschiedensten Gebieten der Kunst und Wissenschaft: Eurythmie als die körperliche Darstellung der menschlichen Sprache und Musik, anthroposophische Architektur und Plastik, die Idee der Dreigliederung des sozialen Organismus, biologisch dynamische Landwirtschaft, anthroposophisch erweiterte Medizin, Waldorfschulen mit anthroposophischer Pädagogik, Camphill-Einrichtungen mit anthroposophischer Heilpädagogik und vieles vieles mehr, bishin zum neuen Verständnis einer christlichen Kirche mit der Christengemeinschaft. In der ganzen Welt sind anthroposophische Einrichtungen und Forschungsstätten entstanden und liefern, mal im Hintergrund mal im Vordergrund, greifbare, relevante und gesellschaftlich notwendige Resultate.

Es gibt sicherlich viele Äußerungen Rudolf Steiners, die man sehr kritisch betrachten sollte, jedoch möglichst unvoreingenommen in gemeinsamer Forschung und Diskussion anschauen lernen kann. Vor allem Rudolf Steiner selbst hat immer wieder darauf hingewiesen, dass man nicht aus einem Glauben heraus, seine Forschungsresultate und Schilderungen annehmen soll, sondern sie durch die eigene Forschung prüfen muss. Seine Aussage in "Die Philosophie der Freiheit" drückt dies sehr treffend aus: "Man muss sich der Idee erlebend gegenüberstellen können; sonst gerät man unter ihre Knechtschaft." Zusätzlich dazu sollte man bedenken, dass man die "Anthroposophen" von der "Anthroposophie" vorerst getrennt betrachten soll, denn es ist bekannt, dass auch noch so gute Ideen durch ihre blinde Anhänger, verzerrt werden können.

Es ist nicht sinnvoll Rudolf Steiner als Sammler esoterischen Wissens zu betrachten, welcher seine Ansichten aus vielen Lehren zusammenklebte. Wenn man dies tut, erkennt man die Gewichtigkeit des eigenstndig denkerischen Grundsatzes der Anthroposophie nicht und zeigt damit, dass man seine wissenschaftlichen Schriften nicht versteht. Einige Kritiker meinen, dass Rudolf Steiner nur bis zu dem Beitritt zu den Theosophen 1902 und seinen öffentlichen Äußerungen zu spirituellen und esoterischen Themen wissenschaftlich ernstzunehmen ist. Doch wenn man seine wissenschaftliche Arbeit konsequent verfolgt, wird man zwangsläfig zumindest anfänglich auf das kommen, was er in späteren eher esoterisch anmutenden Schriften veröffentlichte. Die phänomenologische, unvoreingenommene Betrachtung der Welt und sich selbst, die zunehmende Unabhängigkeit des Denkens von äußeren Begebenheiten, sollen nach und nach einen Blick hinter die Dinge ermöglichen, welcher das Wesen dieser Dinge und Vorgänge erst wirklich erkennt.
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